Beitragsbild Blogartikel: Frau mit müdem Gesichtsausdruck steht erschöpft vor ihrem Hamsterrad

Ständig müde und antriebslos? Stell dir diese 7 Fragen und finde die Ursache

Es gab Zeiten in meinem Leben, da war vieles anders.

Nein, nicht besser. Aus meiner heutigen Sicht würde ich vielleicht sogar das Gegenteil behaupten. Nach vielen Jahren bei einem IT-Services Dienstleister, fühlte ich mich müde. Müde und erschöpft, vom ständigen Druck und dem Gefühl, dauernd leisten zu müssen.

Ich durfte während meiner Zeit dort unglaublich viel profitieren. Mein Quereinstieg in die IT begann mit einem eingeschworenen Team, mit viel Pioniergeist, Neugier und Wissensdurst. Das Umfeld war fantastisch. Wir gingen durch dick und dünn. Wenn es darauf ankam, waren alle da – auch nachts, wenn es sein musste. Ich fühlte mich aufgehoben und wertgeschätzt – für meine Person und auch für meine Leistungen. Das spornte mich immer von neuem an, und ich tat alles für unsere Gemeinschaft.

Die Jahre vergingen, die Firma wuchs. Menschen, Anforderungen und Arbeitsbedingungen veränderten sich mit der Zeit. Ich arbeitete noch immer voller Elan und Loyalität, doch die Freude am Job begann irgendwann ganz unbemerkt im Sand zu verrinnen.

Nach einem besonders anspruchsvollen und kräftezehrenden Projekt konnte ich fast nicht mehr. Ich war müde. Nicht nur körperlich wegen der vielen schlaflosen Nächte und pausenlosen, nicht enden wollenden Arbeitstage. Ich war ES müde. 

Müdigkeit als Botschaft, nicht als Feind

Ständig müde und antriebslos zu sein, fühlte sich zusätzlich frustrierend an. Ich begriff: ich musste mich ernsthaft mit dieser Müdigkeit auseinandersetzen.

Die körperliche Erholung war einfach

Wie ich der körperlichen Müdigkeit begegnen konnte, war recht einfach zu erkennen. Nach dem Abschluss des Projektes, beruhigte sich alles wieder. Meine Schlafstörungen begannen zu verschwinden. Anstatt nachts aufzuschrecken und die Gedankenachterbahn sofort zu starten konnte ich endlich wieder durchschlafen. 

Durch mehr Schlaf und Ruhezeiten regenerierte ich mich körperlich relativ schnell. Das reichte aber nicht aus. Ich trat etwas kürzer bei der Arbeit. Zum Beispiel grenzte ich mich besser von Dingen ab, die ich früher einfach aus Goodwill gemacht hatte. Das gab mir zwar mehr Luft, widersprach aber meinem kooperativen Wesen komplett und machte mich auch nicht glücklich. Obwohl die Müdigkeit weg war, fühlte ich mich nach wie vor unzufrieden, lustlos und träge.

Und was war mit den psychischen Faktoren?

Natürlich nahm ich das alles auch mit nach Hause. Ich glaube, in dieser Zeit war ich keine besonders angenehme Partnerin, Freundin – welche Rolle auch immer – ich war frustriert und fühlte mich leer.

Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass mir diese Gefühle ebenfalls etwas sagen wollten. Irgendetwas lief schief in meinem Leben. Ich realisierte, dass es so nicht weitergehen konnte.

Den damaligen Job als Teamleiterin hatte ich mir zwar gewünscht, konnte ihn jedoch nicht so ausüben, wie ich mir das vorgestellt hatte. Mein grösstes Anliegen war es, die Mitarbeitenden zu fördern und das Team als solches zu stärken. Auch wenn ich als junge Führungskraft entsprechende Seminare besuchen durfte fehlte mir die Zeit, zu reflektieren, das Gelernte umzusetzen und proaktiv an Kultur und Prozessen zu arbeiten. Als ehemalige Teamangehörige integrierte ich mich viel zu sehr im gewohnten Daily Business und ich war zu unerfahren, um mich selbst aus meiner alten Rolle herauszunehmen und die neue aktiv zu gestalten. Mir in dieser Situation Unterstützung zu suchen, fiel mir gar nicht ein. Ich fühlte mich einfach hilflos und verloren und begann mich zu fragen, was mich überhaupt noch in der Firma hielt.

Die wahren Ursachen für die Müdigkeit erkennen

Was damals genau meine Antwort war, weiss ich nicht mehr. Heute würde ich sagen, es war die Vergangenheit. Die guten Zeiten: die freudvollen Erinnerungen, an denen ich mich krampfhaft festklammerte.

Äussere Einflüsse

Die vielen kleinen Dinge und Belastungen, die nicht (mehr) zu mir passten, versteckten sich gekonnt hinter diesem Schleier. Da waren zum Beispiel die vielen Tätigkeiten, die ich nur noch aus Pflicht erfüllte, und nicht, weil ich sie gerne tat. Mein Umfeld hatte sich verändert. Das Auftragsvolumen stieg schneller als die Ressourcen. Qualitativ hochstehend und gleichzeitig speditiv arbeiten zu können war kaum mehr möglich, vieles lief nur noch reaktiv im Feuerlöschen-Modus. Die zunehmende Bürokratie im Konzern führte zudem zum schleichenden Verlust von Zusammenarbeit und Inspiration. Raum für Regeneration, Kreativität und Innovation war komplett verloren gegangen. All das kam zusammen mit den offensichtlichen Herausforderungen des Marktes wie steigender Workload und Preisdruck.

Unbewusste Faktoren

Neben all diesen äusseren Einflüssen habe ich unbewusst natürlich ebenfalls meinen Teil zu meiner Situation beigetragen. Mit meinem Hang zum Perfektionismus gepaart mit mangelnder Selbstfürsorge machte ich mir das Leben auch nicht leichter. Ich resignierte, wurde sarkastisch und hielt mich mit Galgenhumor über Wasser.

Das Ergebnis: Die innere Kündigung

Kennst du das Gefühl? Das Aufgeben, die schwindende Motivation und die gefühlsmässige Abstumpfung? Das ist die innere Kündigung.

Es dauerte allerdings noch eine Weile, bis ich der Wahrheit ins Auge blickte. Der Schlüssel war eine Situation, hinter der ich wirklich nicht mehr stehen konnte. Erst dann begriff ich, dass ich so auch gar nicht mehr weitermachen wollte. Da musste doch mehr sein als die ungesunde und leere Routine, in die ich mich hineinmanövriert hatte! Ich musste raus aus diesem Hamsterrad!

Ein erster Schritt zu neuer Energie

Endlich zog ich die Reissleine, und reichte die Kündigung ein.

Das war keineswegs einfach für mich. Nach so vielen Jahren hatten wir doch so viel erlebt, durchgemacht und erreicht, und ich wollte niemanden im Stich lassen. Ich fühlte mich wie eine Verräterin und musste erst verstehen, dass ich mich selbst verraten hätte, wäre ich geblieben.

Ich orientierte mich komplett neu. Das kostete mich viel Zeit und Geld, machte mir aber grossen Spass. Ich durfte wieder viel neues lernen­ – auch über das Leben und mich selbst. Meine Energie kam zurück und ich fühlte mich wieder lebendig.

Der Weg zu dem, was mich heute erfüllt, war allerdings noch weit. Und doch mag ich es nicht als «Umweg» bezeichnen. Auch diese Phase in meinem Leben hat dazu beigetragen, wer ich heute bin und wie ich tue, was ich tue.

Energie-Boost: Meine Komfortzone erweitern

Das schätze ich ja eben genau so ungemein am Leben: Es bietet mir immer wieder Möglichkeiten, etwas Neues zu entdecken, dazuzulernen und meinen Horizont zu erweitern. Manchmal geht das aber nur, wenn ich bereit bin, ehrlich in den Spiegel zu schauen, meine Grenzen zu erkennen und darüber hinauszuwachsen.

Ja, es ist wahr: die eigene Komfortzone zu verlassen, kann ganz schön schmerzhaft sein. Trotzdem habe ich es nie bereut, denn meine Komfortzone war gleichzeitig auch mein Hamsterrad.

Wann immer ich das gemütliche Nest verlassen habe, bin ich gewachsen. Das macht mich stolz und gibt mir das Selbstvertrauen und die Energie dafür, dass ich auch den nächsten Schritt schaffen kann.

Schritte auf dem Umweg oder der Abkürzung?

Und doch frage ich mich manchmal, was gewesen wäre, hätte ich mir damals Unterstützung geholt. Mir diesen Spiegel immer wieder in Eigenregie selbst vorzuhalten, war bestimmt weder der kürzeste noch der schnellste Weg.

In meiner Phase der Erschöpfung wäre ich vermutlich mit Burnout krankgeschrieben worden. Vielleicht hätte ich dadurch jemanden kennengelernt, der mich dabei unterstützt hätte, herauszufinden, was mir wirklich Kraft gibt. Was ich brauche und was mir wichtig ist, um glücklich zu sein und ein sinnerfülltes Leben zu führen. Da hätte vermutlich eine deutliche Abkürzung drin gelegen.

Vielleicht war das für mich aber auch eine wichtige Lebenserfahrung, die es mir heute einfacher macht, andere Menschen auf ihrem Weg aus der Komfortzone zu begleiten.

Und du? Kennst du die ständige Müdigkeit?

Kennst du dieses Gefühl in deinem Leben auch? Diese stille, schleichende Müdigkeit, die sich irgendwann einfach festkrallt und sich gemütlich niederlässt – während du Tag für Tag weitermachst und im Hamsterrad deine Runden drehst?

Deine Müdigkeit kann ein Zeichen dafür sein, dass du innerlich auf der Stelle trittst. Dass du im Grunde genommen nur noch funktionierst, statt dass du lebst. Es lohnt sich, genau hinzuhören, was dir deine Müdigkeit sagen will. Dazu solltest du dich also als erstes Mal ernsthaft fragen, was der Grund für deine Müdigkeit sein könnte.

Natürlich: Eine anhaltende Antriebslosigkeit und Erschöpfung können auf ein gesundheitliches Thema hinweisen. Eisenmangel, eine Fehlfunktion der Schilddrüse, der Zyklus… Das kannst du einfach medizinisch abklären lassen. Vielleicht liegt es auch an deinem Lebenswandel und du solltest dich ausgewogener ernähren, früher ins Bett oder häufiger an die frische Luft gehen. 

Vielleicht geht es aber tatsächlich um etwas, das schwer fassbar ist. Etwas Grundsätzliches, das sich einer ärztlichen Diagnose entzieht und das sich nicht so einfach messen lässt. Das findest du heraus, indem du dich damit beschäftigst.

Frage dich in Bezug auf deine Situation:

  1. Was ist der wahre Grund für deine Müdigkeit?
  2. Bist du im Hamsterrad gefangen? In welchem?
  3. Möchtest du deine Situation ändern?
  4. Was fehlt dir?
  5. Wovon hast du vielleicht zu viel?
  6. Was widerspricht dir zutiefst?
  7. Was sollte anders sein, was nicht?

Schreib deine Antworten auf, lies sie dir selbst vor und hör dir dabei gut zu. Das kann sehr aufschlussreich sein! Und wenn du bereit bist, die Signale zu erkennen und zu deuten, kannst du dich bewusst dafür entscheiden, wie du mit deiner Situation umgehen willst. 

Falls du diese Müdigkeit und Erschöpfung verspürst, diese Motivationslosigkeit und resignierte Orientierungslosigkeit, ist es an der Zeit, dir Gedanken zu machen, was deine Lösung sein könnte.

In meinem Fall habe ich mich für eine Kündigung entschieden – ja sogar für eine komplette Neuorientierung. Deine Lösung sieht vielleicht anders aus. Sie zeigt sich dir im Spiegel. Trau dich und schau rein!

Hey, ich bin Géraldine!

Ich liebe es, mein Wissen und meine Erfahrungen zu teilen und Menschen damit zu inspirieren. Was liegt also näher, als genau das für unser Herzensprojekt hier zu tun!

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